Auf ein Wort

Liebe Leserinnen und Leser des Pfarrbriefes,

Heuschrecke (c) Helge May
Heuschrecke
Datum:
Do. 22. Jan. 2026
Von:
Sabine Schwartz

Sommer - vielleicht weckt dieses Wort auch bei Ihnen Bilder und Gefühle, wie sie mir vertraut sind:
Erinnerungen an Ferienzeit, warme Tage und lange Abende. Freude darüber, draußen zu sein, im Garten oder in der Natur. Vielleicht Vorfreude auf Urlaub. 

 

 

 

 

 

Manchmal auch eine gewisse Wehmut: dass die Unbeschwertheit der Kindheit nicht zurückkehrt und manches heute nicht mehr so möglich scheint wie früher.

Und doch: wenn wir offen und aufmerksam dafür sind, gibt es immer wieder Momente, in denen wir etwas von dieser Sommermagie spüren können - und vom Zauber des Lebens, das uns jeden Tag neu geschenkt wird. Seit einiger Zeit schon begleitet mich ein Gedicht der amerikanischen Dichterin Mary Oliver. Gerne möchte ich es - in deutscher Übersetzung - mit Ihnen teilen:

 

Der Sommertag

Wer machte die Welt?
Wer machte den Schwan und die Schwarzbärin?
Wer machte die Heuschrecke?
Diese Heuschrecke hier meine ich –
die sich selbst aus dem Gras katapultiert hat,
die jetzt Zucker aus meiner Hand frisst,
die ihre Kiefer vor- und zurückschiebt statt auf- und abwärts –,
die ringsumher starrt mit ihren riesigen, komplexen Augen.
Jetzt hebt sie die Vorderbeine und wäscht ihr Gesicht.
Jetzt klappt sie die Flügel auf und gleitet davon.

Ich weiß nicht genau, wie ein Gebet aussieht.
Ich weiß, wie man Aufmerksamkeit schenkt, wie man
ins Gras fällt, wie man sich ins Gras kniet,
wie man müßig und gesegnet ist,
wie man durch die Felder streunt,
denn das ist es, was ich den ganzen Tag machte.
Sag, was hätte ich sonst machen sollen?
Stirbt nicht alles am Ende und viel zu schnell?
Sag mir, was hast du vor
mit deinem wilden, kostbaren Leben?

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Sommer voller wilder und kostbarer Momente!

Ihre

Sabine Schwartz
Pastoralreferentin