„Stimmt es, was in der Zeitung steht?" und "Stand des Heute bei dir-Prozesses"

Erläuterungen zum Veränderungsprozess "Heute bei dir" des Bistums Aachen

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Datum:
Fr. 10. Juni 2022

„Stimmt es, was in der Zeitung steht, 
oder lohnt es, sich weiter für die Gemeinde zu engagieren?“

Diese Frage wurde einem Seelsorger unserer Pfarrei gestellt, nachdem die Rheinische Post am 3. Juni 2022 unter anderem zu berichten wusste „Die eigene Pfarrei Christkönig wird es künftig in der Form nicht mehr geben.“ Die Frage zeigt, dass viele Menschen in unserer Pfarrei verunsichert sind, was die Zukunft der Strukturen von katholischer Seelsorge angeht.  
Gerne möchten wir hier ein kurzes Update geben, damit Sie richtig informiert sind.

Seit dem Jahr 2018 läuft im Bistum ein Veränderungsprozess mit dem Titel „Heute bei dir“. Im Mai 2022 sind die Beschlüsse dieses Prozesses öffentlich gemacht worden. Neben inhaltlichen Zielformulierungen für die Pastoral ist es Ziel des Bischofs, dass Bistum ab dem Jahr 2028 in nur noch acht bis 13 Pfarreien zu strukturieren. Außerdem soll es als Einheit darunter 50 sog. „pastorale Räume“ geben. Ob die derzeitige Pfarrei Christkönig Erkelenz also ihren Status als Pfarrei behalten wird oder z.B. dann ein „pastoraler Raum“ ist, steht bislang noch nicht fest.
Hinzu kommt, dass die Beschlüsse der Bistumsleitung bislang auf ein recht kritisches Echo gestoßen sind. Der Katholikenrat (vgl. den schon erwähnten RP-Bericht vom 3.6.2022), eine Gruppe jüngerer Priester, eine Kirchenvorstandsinitiative (welcher auch der Kirchenvorstand der Pfarrei Christkönig Erkelenz angehört) sowie viele einzelne Stimmen von Ehrenamtlichen und von Menschen an der „Basis“ haben verschiedenartige Bedenken angemeldet. 
Für das laufende Jahr 2022 ist es seitens des Bistums vorgesehen zu prüfen, ob es kirchen-, staatskirchen- und vermögensrechtlich überhaupt möglich ist, bestehende Pfarreien aufzulösen und zukünftig nur so wenige Pfarreien zu haben. Außerdem muss geklärt werden, wie und auf welcher Ebene die Vermögensverwaltung des kirchlichen Vermögens zukünftig organisiert wird, wer die neuen Pfarreien leiten kann, welche Kompetenzen ein „pastoraler Raum“ hat und vieles, vieles mehr. Erst nach einer solchen Prüfung kann überhaupt mit der Umsetzung der Beschlüsse begonnen werden. Diese soll nach Angaben des Bistums mindestens bis in das Jahr 2026 andauern.

Lohnt es sich denn jetzt noch, sich für die Gemeinde zu engagieren?
Bei allen Vorbehalten ist es auch ein erklärtes Ziel des Veränderungsprozesses, einzelne Orte von Kirche zu stärken. In Zukunft wird es also wohl noch mehr als bislang auf das aktive Mitgestalten von Kirche durch alle Getauften ankommen, damit Kirche vor Ort lebendig bleiben kann. Darum lohnt es sich gerade jetzt in Zeiten des Umbruchs mitzugestalten und sich zu engagieren, damit das, was Ihnen an Ihrer Kirche wichtig ist, auch in Zukunft Bestand hat.

Dem nachstehenden Text, "Stand des Heute bei dir-Prozesses" können Sie Informationen zum "Heute bei dir-Prozess" entnehmen.

Darüber hinaus informieren Sie sich auch gerne ausführlich über den Veränderungsprozess unseres Bistums hier

Stand des "Heute bei dir-Prozesses"

Der synodale Gesprächs- und Veränderungsprozess „Heute bei dir" will neue Wege entwickeln, um Menschen besser anzusprechen, will neugierig machen auf die Botschaft des Evangeliums und will jeden dazu einladen, die Kirche im Bistum Aachen aktiv mitzugestalten, um gemeinsam die Zukunft zu prägen. 

Seit der Silvesterpredigt Bischof Helmut Diesers 2017 gab es viele Veranstaltungen und Arbeitsgrup­pen: Meet & Eat-Abende, Küchentischbesuche, Teilprozessgruppen, Themenforen mit vielen Analy­sen, mit vielen beschriebenen Tischdecken und Tapeten, zusammengefasst zu acht Schwerpunktthemen und drei Querschnittsthemen, mit denen sich Basis-Arbeitsgruppen intensiv beschäftigt haben. Insgesamt beteiligten sich bisher rund 5000 Menschen im Prozess.Um die Kirche im Bistum Aachen zu öffnen: für Reformen, für einen neuen Zugang zum Glauben, für mehr Lebensnähe der Kirche in einer immer komplexer werdenden Welt. 

Entscheidungen
Freiheit, Begegnung und Ermöglichung sollen eine Kirche prägen, die den individuellen Menschen in der pluralen Gesellschaft annimmt und seinen Wunsch nach einem gelingenden Leben unterstützt. 
Bischof Helmut Dieser hat früh signalisiert, dass er die anstehende Entscheidungen nicht alleine treffen möchte, sondern in der Beratung mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Gruppen und Verantwortungsträgerinnen des Bistums Aachen.Dafür hat er zwei Gremien eingesetzt: den  Synodalkreis und die Synodalversammlung.
Der 17köpfiger Synodalkreis setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Diözesanen Räte und weiterer Gruppen zusammen.Über neun Monate hinweg hat er die in den Arbeitsgruppen errungenen Ergebnisse und Beschlussvorlagen synodal einwandfrei beraten. Daraus gingen 11 Richtungsentscheidungen bzw. vorläufige Beschlüsse hervor.
Diese wurden im März / April dieses Jahres in zwei Synodalversammlungen beraten. Die Diözesanen der Räte waren aufgerufen, Voten dazu abzugeben. Sie wurden vom Synodalkreis nochmals final beraten und entschieden. Der Bischof bindet sich an die dort konsertierten Beschlüsse. Sie weisen den Weg für eine zukunftsfähige Kirche im Bistum Aachen. Auch wenn die Komplexität der Themen viele Fragen noch unbeantwortet lässt. Jetzt geht es um ein gemeinsames Gehen, ein konstruktives Miteinander, um eine zeitnahe Konkretisierung und Aufstellung zielorientierter Projekte, um das riesige Engagement so vieler Beteiligten zum Erfolg zu führen. 

Darum soll es unter anderem gehen...
Zum Beispiel: „Charismen-Orientierung im Ehrenamt“:
Der Beschluss sieht eine Neuausrichtung kirchlichen Handelns vor. Hin zu einer gezielten, charismenorientierten und partizipativen Förderung, Befähigung und Koordinierung von freiwilligem Engagement. Dafür soll ein entwicklungsorientiertes Netzwerk ins Leben gerufen werden, welches das zielgerichtete Management des Engagements übernimmt und Engagierte miteinander verbindet.

Zum Beispiel: „Diakonischer Verantwortung“:
Jedes kirchliche Handeln soll diakonisch sein und bereits vorhandene Träger diakonischer Verantwortung sollen gewürdigt, anerkannt und nach Möglichkeit gefördert werden. Auf allen Ebenen des Bistums soll das diakonische Profil überprüft,entwickelt und erkennbar gemacht werden. Das soll unter anderem umgesetzt werden mit einer diakonischen Befähigungsoffensive für alle Akteure. Diakonischen Kompetenzzentren sollen als Dialog- und Vernetzungsplattform eingerichtet werden.  

Zum Beispiel: „Orte von Kirche“ 
Kirche im Bistum Aachen soll sich in Zukunft nicht mehr primär an territorialen oder kategorialen Strukturen orientieren, sondern an der konkreten Lebensrealität. Deshalb werden in Zukunft vielfältige „Orte von Kirche“ mindestens einen Grundvollzug der Kirche sichtbar machen. „Orte von Kirche“ können von einzelnen initiiert oder aber auch gezielt erschlossen werden. Sie werden durch die Gremien der „pastoralen Räume“ anerkannt und finanziert. Kriterien dazu werden entwickelt.

Zum Beispiel „Pastorale Räume“:
Das Bistum soll in Zukunft durch ca. 50 am Sozial- und Lebensraum orientierte „pastorale Räume“ geprägt werden. Die Grundlagen jeglichen Handelns innerhalb des „pastoralen Raums“ sind die Vorstellung von Freiheit, Begegnung und Ermöglichung. Auf dieser Grundlage werden sie die wesentliche Steuerungseinheit pastoralen Handelns und partizipativ in Teams geleitet. „Orte von Kirche“ werden an die Gebiete der Pastoralen Räume angeschlossen und zusammen voraussichtlich acht bis 13 Pfarreien bilden.

Zum Beispiel:„Leben und Glauben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen“: 
Die Kirche soll zu einem Entwicklungsraum junger Menschen um ihrer selbst willen werden. Die Gruppe der jungen Erwachsenen wird künftig als eigene, relevante, Zielgruppe der Pastoral besonders in den Blick genommen. Hierfür braucht es vielfältige analoge und digitale Räume, Ressourcen und (Bildungs-)Angebote, die von, mit und für Jugendliche(n) partizipativ gestaltet werden. Darüber hinaus fordert der Beschluss auch eine weiterentwickelte Positionierung zu den Themen Erziehung, Betreuung, (schulische und außerschulische) Bildung, Glaubenskommunikation und der Beteiligung von Kindern. 

Alle ausführlichen Beschlüsse und weitere Informationen finden Sie unter www.heute-bei-dir.de.

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Nachgefragt

Die Beschlüsse des Synodalkreises liegen nun in ihrer finalen Form vor. Wir haben mit den beiden Leitern der Abteilung Strategiemanagement im Bischöflichen Generalvikariat, Andreas Schreib und  Pfarrer Thorsten Aymanns, über die nun anstehende Umsetzung gesprochen. 

Die Beschlüsse liegen nun vor. Wie geht es jetzt konkret weiter?

Andreas Schreib: Ich freue mich sehr, dass wir jetzt in die Strategieplanung gehen können. Das bedeutet ganz konkret, dass wir die Beschlüsse in Ziele und Maßnahmenpakete verarbeiten, gemeinsam Vorgehensweisen und Verantwortlichkeiten definieren und in Projektstrukturen umsetzen. Letztlich gehen wir den Dreischritt, der bereits auf der ersten Synodalversammlung im September 2021 in Haus Overbach vorgestellt wurde: Die in den Beschlüssen aufleuchtende Vision von Kirche im Bistum Aachen, teilweise schon in klaren Zielen (Zielebene=mission) und Aufträgen ausformuliert, wird übersetzt in Projekte, die wir auf einer mehrjährigen Zeitstruktur abbilden (Ausfaltung der Handlungsebene = strategy). Das Handwerkszeug der Strategieplanung hilft uns dabei, konsequent zu tun, was uns der synodale Gesprächs- und Veränderungsprozess "Heute bei dir" ins Aufgabenheft geschrieben hat. Und es hilft uns dabei, über die Jahre hinweg, immer wieder zu überprüfen, ob wir noch dran sind an den Verabredungen. 

Dieses zielorientierte Vorgehen wird unterstützt durch den Rat unserer Gremien und Räte, den wir regelmäßig einholen werden; und es wird unterstützt durch den Dialog, den wir permanent mit Menschen im Bistum Aachen (und darüber hinaus) führen. Der Gesprächsprozess endet in einer Kirche, die sich als Volk Gottes auf dem Weg durch die Zeit versteht, die sich als synodale Kirche versteht, nie.

Pfarrer Thorsten Aymanns: Die sich abzeichnenden Konsequenzen aus den Beschlüssen des Synodalkreises leiten einen Paradigmenwechsel für unser Bistum ein. In der Umsetzung kommt es jetzt ganz stark darauf an, dass die einzelnen Konzepte und Maßnahmen, die im Dialog erarbeitet werden, nicht hinter den gefassten Beschlüssen zurückfallen und vor allem richtungstreu bleiben. Aus diesem Grund werden die Richtungsentscheidungen durch die zuständigen Abteilungen im Bischöflichen Generalvikariat in einem nächsten Schritt auf ihre fachlichen Anforderungen geprüft und bei Bedarf um Aspekte, mit denen sich der Synodalkreis nicht beschäftigen konnte, ergänzt. Klugerweise ist man im Synodalkreis nicht in die Konzeptarbeit eingestiegen, sondern hat Konzepte in Auftrag gegeben, die in den kommenden Monaten entstehen müssen.

Wie sehen Sie ihre Funktion als Abteilung Strategiemanagement?

Pfarrer Thorsten Aymanns: Wir haben die elf Beschlüsse als Richtungsenscheidungen des Synodalkreises. Nehmen wir beispielsweise den Beschluss zur Charismenorientierung im Ehrenamt. Hier geht es um die Frage, was wir zum Gelingen des Ehrenamtes und zur Förderung der Engagierten beitragen können. Um hierauf eine sinnvolle Antwort zu finden, müssen wir auf die Pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zugehen. Sie werden zukünftig viel mehr Menschen im Ehrenamt begleiten, als selber direkte „Dienstleister“ zu sein. Unsere Aufgabe wird eine permanente Übersetzungsarbeit zu den Richtungsentscheidungen des Synodalkreises sein, um diese im Alltag und vor Ort wirksam werden zu lassen. Pastoral und alle Strukturen, die sie erst möglich machen. werden sich hier in den nächsten Jahren verändern und anpassen. Dies gut auf den Weg zu bringen ist unser Ziel.

Andreas Schreib: Wir stellen letztlich einen Werkzeugkoffer zur Verfügung, der strukturiert, der immer wieder den Blick auf die verabredeten Ziele lenkt, der verlässliche Beteiligung koordiniert und immer wieder den Überblick über das Ganze ermöglicht. Im Generalvikariat gibt es seit kurzem eine Prozesswerkstatt, die sich als "begehbare Prozessumsetzung" versteht. Die Türe ist meistens offen: Schauen Sie vorbei! Natürlich warten wir gleichzeitig nicht, bis jemand kommt; wir gehen immer auch ganz bewusst zu guten Gelegenheiten auf die Menschen im Bistum zu, oder ganz kurz gesagt gilt eben immer auch: Heute bei dir!