Seit 100 Jahren im Dienst

Gerderath (c) hqdefault Glockenturm Gerderath (Youtube)
Gerderath
Datum:
Mo. 13. Juni 2022
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Innenansicht St. Christophorus Gerderath

Im „Großen Krieg“ von 1914 bis 1918 wurde auch das Metall der Glocken der Katholischen Pfarrkirche St. Christophorus in Gerderath für die Truppen des Kaisers benötigt. Das dreistimmige Geläut aus dem 18. und 19. Jahrhundert musste daher schweren Herzen abgegeben und eingeschmolzen werden.
Im Jahr 1922 erhielt die Pfarrgemeinde ein neues Geläut aus der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher in Westf., das, bis auf einen geringen Teil, durch Spenden aufgebracht werden konnte. Am Sonntag, dem 27. August 1922 wurden die drei neuen Glocken im Namen des Kölner Erzbischofs Karl Joseph Kardinal Schulte (1871–1941) – das Aachener Bistum war 1825 mit päpstlicher Bulle De salute animarum vom 16. Juli 1821 aufgelöst und in das Erzbistum Köln eingegliedert worden, bevor es 1930 mit der päpstlichen Bulle Pastoralis officii nostri vom 18. Februar 1930 wieder errichtet wurde – durch den Erkelenzer Dechanten Prälat Hermann Josef Kamp (1849–1931) feierlich geweiht.
Auch die beiden schwereren Glocken erlitten im Zweiten Weltkrieg das gleiche Schicksal wie ihre Vorgänger, denn sie mussten auch für die Kanonenproduktion eingeschmolzen werden. Nur die leichteste Glocke (380 kg schwer, Durchmesser 855 mm, Schlagton h1) blieb von der Zerstörung verschont und den Gerderathern erhalten.
Erst fast neun Jahre nach Ende des Krieges konnte am Weißen Sonntag 1954 das Geläut auf vier Glocken durch die die Glockengießerei Otto aus Bremen-Hemelingen erweitert werden. Hierbei wurde die erhaltene und weiterhin leichteste und tonhöchste Glocke des Geläutes von 1922 verändert und erweitert, sodass ein sog. Idealquartett entstand. Sie wiegt seither 390 kg und hat einen Durchmesser von 847 mm sowie den Schlagton ais1 +5. Die ursprüngliche Inschrift ist erhalten und erinnert noch heute an den Stifter der Glocke: paCatos honoro, reLICtos DepLoro, ChrIstUMqUe eXoro (1922) – Dono me ded(it) confraternitas St. Christophori (Die Friedfertigen ehre ich, die Hinterlassenen beklage ich, und Christum anflehe ich. – Als Geschenk gab mich die St.-Christophorus-Bruderschaft.).
Seit nunmehr 100 Jahren ruft diese Glocke nun schon die Gläubigen beständig zu den Gottesdiensten, läutet am Vorabend Feste und Hochfeste ein sowie verkündet den Tod von Kindern der Gemeinde, rief aber auch zum täglichen gemeinsamen Gebet am Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie. Sie verbindet so Generationen mit ihrem Klang und kommt treu ihrem von der Stifterin gegebenen Auftrag nach: Die Friedfertigen ehre ich, die Hinterlassenen beklage ich, und Christum anflehe ich.
Jens Weßelbaum