Nutzt die Zeit, denn sie bleibt nicht stehen

Winter Eiskugel im Schnee (c) copy
Datum:
Fr. 31. Dez. 2021
Von:
Monika Fernandes / RM

 

 

 

Nutzt die Zeit, denn sie bleibt nicht stehen

 „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit“ (Prediger 3,1)

Bei diesem Bibelvers könnte ich wehmütig werden. Die Zeit bleibt nicht stehen, wir können sie nicht festhalten, sie zerrinnt unwiederbringlich. Das kann uns Angst und Sorge bereiten, einerseits zu wenig Zukunft zu haben, anderseits etwas zu verpassen und zu kurz zu kommen. In der Gegenwart erscheinen uns oft Dinge wichtig, die im Nachhinein unwichtig sind.

 

Im Kranken- oder Sterbebett wird vielen Menschen bewusst, dass sie ihre Zeit nicht (genügend) genutzt haben. Es tut weh, zu wissen, dass ich zu wenig Zeit eingeplant hatte für Dinge, die mir wichtig sind. Vertane Chancen kommen nicht wieder.

Nun fragen Sie sich vielleicht, wie Sie Ihre Zeit sinnvoll verbringen können angesichts der Pandemie. Ich gebe zu, dass dies eine Herausforderung ist, aber nicht unmöglich.

Denkbar wäre, sich auszusprechen und zu versöhnen, füreinander da zu sein, zu zuhören, einem anderen was Gutes zu tun, sich bewusst eine kleine Auszeit am Tag zu nehmen, Neues aus zu probieren… Die Liste ließe sich verlängern.

Das neue Jahr birgt viele Möglichkeiten.

Es wird ein Jahr der weiteren gegenseitige Rücksichtnahme und des Hoffens sein.

Ich versuche in dieser ver-rückten Zeit, in der es scheinbar keine Perspektive gibt, alles in meiner Macht stehende zu tun, damit sich die Situation bessert. Und den Rest lege ich getrost in Gottes Hand. In der Gewissheit, dass eine andere Zeit kommt und vertraue auf den Psalmvers „In deiner Hand steht meine Zeit“ (31, 16).

 

Tröstlich ist, dass es nie zu spät ist, die Zeit gut zu nutzen. Selbst für einige Patienten im Krankenhaus nicht. Hier einige berührende Beispiele:

  • Ein Corona-Patient auf der Isolierstation kam zu der Einsicht, dass es endlich an der Zeit sei, sich mit dem Sohn aus Hamburg auszusprechen. Ich habe es ihm über WhatsApp-Video ermöglicht.
  • Eine Krebserkrankte konnte mit meinem Laptop anhand von Google earth zu dem Land reisen, wo sie so gerne hingefahren wäre. Aber andere Dinge waren immer wichtiger…
  • Ein Ehepaar, das zeitgleich im Krankenhaus lag. Beide waren bettlägerig. Nachdem ich ihre Betten an einander geschoben hatte, sagte er ihr, wie sehr er sie liebt.

Lassen wir uns von diesen Beispielen ermutigen und die uns zur Verfügung stehenden Zeit nutzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ein gesegnetes und hoffnungsvolles Jahr 2022.

Bleiben Sie gesund und passen auf diejenigen auf, die Ihre Fürsorge benötigen.

Ihre Monika Fernandes, Krankenhausseelsorgerin

 

Der Herr segne euch in dem neuen Jahr,
das vor euch liegt.
Der Herr behüte euch
bei euren Vorhaben und eurem Planen.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten
über euch,
über euren Wegen
durch Tiefen und über Höhen.

Der Herr sei euch gnädig
bei eurem Tun und Lassen.
Der Herr erhebe sein Angesicht
auf euch,
auf eure Wünsche und Hoffnungen.
Der Herr gebe euch Frieden,
innerlich und äußerlich,
zeitlich und ewig.

- Kurt Rommel -