Mein Vorhaben für das neue Jahr

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Di 31. Dez 2019
Monika Fernandes

Zur Vorbereitung dieses Vorwortes lasse ich das Jahr 2019 an mir vorbei ziehen.

Ich sehe Freud´ und Leid, Höhen und Tiefen. Ich sehe die Menschen, die mir begegnet sind. Ich sehe Feste und Feiertage in meiner Familie. Freundinnen und Freunde, die mit mir durch Dick und Dünn gehen. Mitarbeiter*innen im Krankenhaus, die mir gut tun. Patient*innen, die ich begleitet habe.

Dann stelle ich mir die Fragen: Wer und was hat mich geprägt?

Was möchte ich „mitnehmen“ ins neue Jahr? Und was nicht?

Möchte ich mir was für das Jahr 2020 vornehmen? Wenn ja, was?

Ich bin neugierig, ob und was andere Menschen sich vornehmen und höre mich im Krankenhaus um. Hier einige Äußerungen von Mitarbeiter*innen:

  • Ich nehme mir nichts vor, da ich spätestens im Februar meine Vorhaben über Bord werfe
  • Ich nehme mir meistens zu viel vor
  • Ich schaffe es ja doch nicht

Patient*innen sagen:

  • Ich möchte mir mehr Zeit für meine Familie nehmen
  • Werde belastende Beziehungen beenden
  • Nicht mehr so hetzen

Beim Zuhören der einzelnen Menschen kommt mir immer wieder der Satz in den Sinn: Verliert euch nicht!

Ich kenne es nur zu gut. Der Alltag ist voll. Voller Aufgaben. Voller Erwartungen der anderen. Voller Pläne, voller Schriftkram, voller eigener Ansprüche. Wir möchten unsere Rolle gut ausfüllen. Wir verlieren uns schnell.

Sehen die Sterne nicht mehr. Hören nicht, wenn von Wundern erzählt wird. Spüren den Sonnenschein nicht. Schmecken den Cappuccino nicht.

Wir verlieren uns zwischen Terminen, Papieren und Anforderungen.

Wir verlieren unsere Träume und Hoffnungen, die wir mal hatten.

Letztlich sind wir es selbst, die wir verlieren. Wir verlieren das, was uns als Menschen ausmacht. Menschen mit Herz und Seele. Wir funktionieren - und verlieren uns.

Wir sollten und können uns wieder finden.

Die Aufgaben verschwinden nicht. Aber zwischen den Aufgaben und Anforderungen können wir die Sterne beobachten. Können zuhören, welche Wunder Menschen erfahren haben, den Sonnenschein spüren, den Cappuccino schmecken,…  Können uns bewusst machen, wie wertvoll der jeweilige Augenblick und jeder Tag ist. Am Ende des Tages erinnern wir uns an genau diese Momente. Und am Silvesterabend schauen wir dankbar auf das Jahr.

Ich weiß nun, was ich mir für das Jahr 2020 vornehmen möchte: Beobachten, zuhören, spüren, schmecken – ganz bewusst. Genügend Raum für mich einplanen. Für mich, so wie Gott mich gewollt hat. Mit einem Herz, das hüpft vor Liebe. Liebe für mich und den Nächsten. Eine Liebe, die stark macht. Eine Liebe, die achtsam macht – für mich und für den Nächsten, insbesondere für die Schwachen und Kranken. Ganz nach dem zweiten Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Markus 12,31)

Ich bitte Gott, dass er mir immer wieder die Kraft für mein Vorhaben gibt.

Und möchten Sie sich auch was vornehmen?

 

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen

 

Ihre Monika Fernandes

Seelsorgerin im Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz