Liebe Schwestern und Brüder,

auferstehung-01_by_martin_manigatterer_pfarrbriefservice (c) Bild: Martin Manigatterer - Sr. Hanna Ecker In: Pfarrbriefservice.de
Datum:
Di. 23. Feb. 2021
Von:
Dr. Scheulen / rm

vor 1700 Jahren, am 3. März 321, hat Kaiser Konstantin der Große den Sonntag zum allgemeinen Ruhetag im Römischen Reich erklärt.

Nicht historisch gesichert ist, ob dies im Dienst der Festigung des christlichen Glaubens stand, dem er zunächst Toleranz (313), sodann Erlaubnis gewährte (314).

Auf jeden Fall hat er damit der Zeit eine Struktur eingestiftet. Wie wertvoll das ist, dürfte uns das Erleiden der Pandemie zeigen, in der die Tage ohne Konturen wie ein graues Einerlei an uns vorbei ziehen. Inhaltliche Prägung ist jedenfalls schwerer zu erkennen, wenn äußere Strukturierung fehlt.

Die Christen haben diesem Ruhetag eine neue inhaltliche Prägung gegeben durch das Grunddatum ihres Glaubens: nicht mehr der Tag der Sonne, sondern der Tag des HERRN; des Herren, der in seiner Auferstehung der Zeit eine unwiderrufliche Prägung geben hat, nämlich die Offenheit auf Ewigkeit. Und sie haben den Tag des Herrn an den Anfang der aus dem Judentum übernommenen Sieben-Tage-Folge gesetzt. Das aber hat nun gerade nicht nur strukturelle, sondern vor allem inhaltliche, programmatische Bedeutung: Die in der Auferstehung Jesu grundgelegte Dimension des Lebens soll auch die Zeit prägen.

Am ersten Sonntag dieses Monates feiern wir dieses Urdatum des neuen Lebens, OSTERN, den Tag der Auferstehung Jesu. Im Gegensatz zum letzten Jahr dürfen wir dieses Datum wieder in Gemeinschaft feiern, wenn auch nicht mit dem sonst üblichen Gepränge: der Triumphgesang dürfte (noch) nicht laut erschallen. Vielleicht kann aber gerade deshalb die Botschaft selbst umso nachdrücklicher an unser Ohr dringen und uns durch das weitere Jahr begleiten, damit es am Tag der Ruhe uns aufwecke und erinnere, dass wir zu einem Leben mit Gott berufen sind: „Der Herr ist wahrhaft auferstanden (vgl. Lk 24, 34).“

„Aus apostolischer Überlieferung, die ihren Ursprung auf den Auferstehungstag Christi zurückführt, feiert die Kirche Christi das Pascha-Mysterium jeweils am achten Tag…“ – das ist der neue „erste Tag“ – und dieser ist „Fundament und Kern des ganzen liturgischen Jahres.“ So sagt es das 2. Vatikanische Konzil. Lohnte es sich nicht, den Schatz dieser Überlieferung neu zu heben und die rot gefärbten Daten unseres Kalenders wieder intensiver damit zu füllen?

Dann ginge von diesem Osterfest ein Segen aus, den wir uns alle gegenseitig wünschen mögen.

Ihr Pfarrer Dr. Roland Scheulen