Liebe Leserin, lieber Leser,

Datum:
Mo. 14. Dez. 2020
Von:
Birgit Leeners

das Jahr 2020 liegt hinter uns, wenn Sie diese Zeilen lesen. Schreiben musste ich sie vor dem 10. Dezember 2020 wegen des Redaktionsschlusses. Es war schwierig, in der Situation, in der wir im Dezember lebten, einen Hoffnung machenden, Glauben vermittelnden und das Leben bejahenden Artikel zu schreiben. Waren es doch sehr unterschiedliche Gefühle, die zu dieser Zeit vorherrschten. Einerseits die Freude auf Weihnachten, die Zuversicht, endlich wieder in der Oberkirche Gottesdienste feiern zu können, der Gedanke an ein Impfmittel gegen das Virus.
Auf der anderen Seite die von Tag zu Tag schwindende Hoffnung, Weihnachten mit allen Kindern und Enkeln feiern zu können, das schmerzhafte Realisieren der Tatsache, dass es immer noch Menschen gab, die das Virus leugneten und so taten, als wenn nichts Bedrohliches uns alle umgab.
Eine Änderung meiner persönlichen Gemütslage geschah in der Woche zwischen erstem und zweitem Adventsonntag mit der Vorbereitung auf zu feiernde Gottesdienste an eben diesem zweiten Adventssonntag.
Die erste Lesung dieses Sonntages begann mit einem Wort aus dem Buch Jesaja. Dort heißt es in Kapitel 40: „Tröstet, ja tröstet mein Volk, spricht [Euer] Gott.“
Liebe Leserin, lieber Leser,
in den vergangenen Monaten, eigentlich seit dem beginnenden Frühjahr 2020 waren wir alle immer wieder einmal in Situationen, die uns traurig machten, in denen wir trostbedürftig waren. Die Frage war und wird weiterhin sein: was kann Trost geben in Zeiten, in denen viele Menschen untröstlich sind: weil liebe Menschen sterben, weil die Mutter, der Vater nicht im Altenheim besucht werden können, weil man Freunde nicht treffen darf, weil zu Weihnachten die Familien nicht wirklich zusammenkommen konnten…Man könnte die Reihe der Beispiele endlos fortsetzen.
Trost will doch einfach nur Halt geben, Zuversicht wecken, Mut geben, um nach vorne zu schauen.
Jesaja fährt fort: „Seht, Gott, der Herr kommt!“
Und das nicht nur an Weihnachten.
Und nicht nur als Kind in der Krippe.
Er kommt in Gestalt des Arztes, der Ärztin, in Gestalt der Pflegerin, des Pflegers. In Gestalt des Freundes oder der Kollegin. Und ganz sicher auch wieder in Gestalt all der lieben Menschen, die wir an Weihnachten nicht treffen, besuchen, trösten konnten, die wir gerne in den Arm genommen und geherzt hätten.
„Tröstet, tröstet mein Volk“, spricht unser Gott.
Ich bin kein Prophet, nicht so wortmächtig wie Jesaja.
Aber wünschen darf ich:
dass Gott Euch im neuen Jahr tröste, dass Ihr Freunde in den Arm nehmen und gute Zeiten miteinander erleben werdet, dass Ihr die sehen dürft, die Euer Leben lebenswert machen.
In diesem Sinne: seid getröstet und bleibt zuversichtlich


Euer und Ihr
Diakon Kurt Esser