Erntedank 2021

Baum - Erntedank (c) B. Heinen
Datum:
Sa. 1. Mai 2021
Von:
Pater Paul Mathew / rm

Wieder einmal feiern wir das Erntedankfest. Wieder einmal haben wir Gelegenheit nachzudenken über alles, was unser Leben reich und schön macht; was wir tagtäglich ohne unser Dazutun - viel zu selbstverständlich - geschenkt bekommen, so dass wir es oft übersehen.
Da gibt es aber auch Geschenke, auf die wir gerne verzichtet hätten:
auf die Pandemie und alles, was sie an Beschwernissen mit sich gebracht hat,
auf die Flutkatastrophe, die Leben gefordert und Mensch heimatlos gemacht hat,
die nicht nur an den Orten, wo sie sich ereignet hat, Schrecken, Angst und Trauer verbreitet hat; und da gibt es ganz sicher auch persönliche Erfahrungen, auf die man gerne verzichtet hätte. Auch sie gilt es, in den Blick zu nehmen. Wie gesagt, das Erntedankfest gibt Gelegenheit, genau hinzuschauen und nichts auszublenden, denn alles gehört zu uns; Frohes und Trauriges …

 

Als Christen machen wir uns klar, dass alles, was wir sind und haben, seinen Ursprung in Gott hat, denn Gott will unser Heil und unser Wohlergehen, auch wenn es das andere, das Unheil, in unserem Leben gibt; auch, wenn das Leben anders verläuft, als wir uns das so vorstellen.

Zu dieser Erkenntnis kommt der Verfasser des Psalms 104. Er formuliert:
„Du, Gott, lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt“.
Dieser Psalmvers sagt mir: Wer Gottes gute Gaben bewusst und aufmerksam annimmt und genießt und sich an ihnen freut, der erfreut sich an Gott und lebt damit in Gottes Nähe und kann schwere Zeiten, Zeiten wie diese, die wir gerade durchmachen, trotz allem hoffnungsvoll bestehen; denn Gott will, dass wir leben aus seiner mutmachenden und stärkenden Gegenwart, auch wenn uns in dieser Zeit bewusst ist, dass die Schöpfung, die Geschöpfe, ja wir Menschen eben noch nicht vollendet sind; dass sich Gutes zum Bösen verwandeln kann; dass alles aber der Vollendung entgegen geht; wo Gott alles in allem sein wird.

Das meint auch Jesus wenn er sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“.

Das heißt Jesus ist der Gesandte Gottes, der uns der Vollendung entgegenführt.

Liebe Schwestern und Brüder, das ist doch zum Erntedank trotz allem ein Aufruf an uns, Gottes gute Gaben dankbar zu empfangen und in ihnen seine Nähe zu genießen. Denn nur der, der sich an Gottes guten Gaben erfreuen kann, hat ein Motiv, hoffnungsvoll zu leben und gewinnt hieraus die Kraft, am Heil der Welt mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, dort, wo er von Gott hingestellt ist, mitzuwirken. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Erntedankzeit.

Ihr

Pastor Werner Rombach