Betrachtungen zu den Gesätzen des Rosenkranzes

Die Gesätze des freudenreichen Rosenkranzes

Datum:
So 10. Mai 2020
Von:
Barbara Felder

In den Gesätzen des freudenreichen Rosenkranzes meditieren wir das Geheimnis um die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Im Glaubensweg Mariens finden wir Orientierung für unseren eigenen Weg.

  1. Den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast.

Am Anfang steht die Initiative Gottes. Er hat einen Liebesplan mit Maria und auch mit uns. Dankbar denken wir daran, dass Gott auch in unser Leben eingetreten ist und uns mit seinem Heiligen Geist beschenkt hat. Wie Maria dürfen wir auf Gottes Zusage mit unserem Ja antworten. So kann das Wort von Gottes ewiger Liebe auch bei uns „Fleisch werden“, Hand und Fuß bekommen.

  1. Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast.

Wer sich der Liebe Gottes geöffnet hat, der macht sich auf zum Nächsten, der Hilfe braucht. Wer Gott in seinem Leben an die erste Stelle stellt, der entdeckt ihn im Bruder und in der Schwester. Maria ist gedrängt, ihrer schwangeren Verwandten zu helfen, und teilt Elisabeth voll Freude mit, wie Gott seine Verheißung erfüllt.

  1. Den du, o Jungfrau, geboren hast.

Wir haben die Verheißung Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Wo zwei oder drei Menschen in der gegenseitigen Liebe leben, da tritt der Auferstandene auch heute in unsere Mitte.                                            Es ist unsere Berufung, - wie Maria – Jesus in die Welt zu bringen, dem Auferstandenen unter uns Raum zu geben.

  1. Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast.

Wer Gott im Leben an die erste Stelle setzt, wer sich in den Dienst der anderen stellt, der wird zum „Zeichen, dem widersprochen wird“ (vgl Lk 2,34), dessen „Seele wird ein Schwert durchdringen“ (vgl Lk 2,35). Der Weg Mariens, der Weg   der Nachfolge Jesu kann ein „Schwimmen gegen den Strom“ sein.

  1. Den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast.

Jesus verlieren und Jesus wiederfinden, Jesus ganz nahe spüren und ihn auch manchmal nicht mehr verstehen: Das ist die ständige Dynamik auch unseres Glaubensweges. Jesus setzt den „Vater im Himmel“ an die erste Stelle. Wer in Gott alles findet, kann vieles loslassen und verlieren und weiß sich im letzten getragen.

Die lichtreichen Geheimnisse des Rosenkranzes

Die lichtreichen Geheimnisse des Rosenkranzes

Die „lichtreichen“ Geheimnisse des Rosenkranzes stellen uns das öffentliche Wirken Jesu vor Augen.

  1. Jesus, der von Johannes getauft worden ist.

Bei der Taufe im Jordan wird Jesus durch die Stimme im Himmel als der „geliebte Sohn“ des Vater t3orrenbart. Wir sind glücklich, dass auch h wir als Getaufte und Gefirmte mit dem „geöffneten Himmel“ leben dürfen. Durch Jesus haben wir den freien Zugang zum Vater.         Gott hat an Jesus „Gefallen gefunden“. Es bereitet Gott Freude, dass Jesus den Geschichtsplan für das Gottesvolk und für die Welt nun zu verwirklichen beginnt.               Auch wie können Gott Freude bereiten, indem wir danach fragen, was Gott heute für die Kirche und die Welt möchte.

  1. Jesus, der sich bei der Hochzeit zu Kanaan geoffenbart hat.

Im AT ist die Hochzeit ein Bild für die Beziehung zwischen Jahwe und seinem Volk: Gott heiratet seine Braut, das Volk Israel. Auch hatte der Prophet Jesaja für die Endzeit ein Festmahl mit erlesenen Wein in Fülle angekündigt.                                                                       Mit Jesus kommt jetzt die entscheidende Heilszeit, in der Gott seinen Bund erneuert und sich mit seinem Volk vermählt.                                                                                                            Die Kirche kann Zeugin des Festes sein, das Gott uns und der Welt bereitet, wenn wir Christen dem Rat Mariens im Alltag folgen: „Was er euch sagt, das tut“

  1. Jesu, der uns das Reich Gottes verkündet hat.

Jesus verkündigt die andrängend „nahe herbei kommende“ Königsherrschaft Gottes, Wo Gott selbst König wird, da hört die Herrschaft des Menschen über die Menschen auf, da beginnt die geschwisterliche Gesellschaft. Jesus spricht mit dieser frohen Botschaft von einem anderen gesellschaftlichen Miteinander, das in der Jüngergemeinde seinen Anfang nehmen soll.                                                                                                                                      Heute sollen Kirche und wir Christen in sichtbaren Beispielen erfahrbar machen, dass unser Glaube die Kraft hat, alle Bereiche unserer Gesellschaft zu verändern.

  1. Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.

Kaum hat Jesus sein Leiden und Sterben in Jerusalem angekündigt, da verwandelt, da verklärt der Vater Jesus auf dem Berg in die verherrlichte Auferstehungsgestalt. Mit österlichem Einblick verstehen wir: Gerade durch das schreckliche Leiden und Sterben am Kreuz gelangt Jesus zur Herrlichkeit der Auferweckung. Auch wir vielfach bedrängten Christen dürfen unser eigenes Leben aus der verklärten österlichen Perspektive deuten. Wir werden ermutigt, auf Jesus zu vertrauen und auf ihn zu hören.

  1. Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.

Wir Christen sind geboren aus einer Liebe, die für uns das Leben gegeben hat. Die tiefste und wichtigste Wirkung der Eucharistie ist, dass wir verwandelt werden in den, den wir empfangen.

Als „wahres Instrument der Einheit“ bewirkt die Eucharistie daher auch die Einheit unter vielen: Wenn zwei einem Dritten gleichen, Christus, sind sie auch einander ähnlich.

Letztlich geht es um unser Hineingenommenwerden in die Lebenshingabe an den Vater und die Menschen. So wie Jesus sich verschenkt, dürfen auch wir uns hinschenken und hingeben an unsere Brüder und Schwestern.

Schmerzhafte Rosenkranz

Im schmerzhaften Rosenkranz betrachten wir die Geheimnisse um das Leiden und Sterben Jesu. Der Blick auf den, der aus Liebe zu uns bis in die Gottverlassenheit am Kreuz geht, wirft ein Licht auf alle Dunkelheiten und alles Leid dieser Welt.

  1. Der für uns Blut geschwitzt hat.

„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Für Jesus ist das Leid nicht absurder Zufall oder blindes Geschick. Er nimmt den Leidenskelch an aus der Hand des liebenden Vaters. Auch wenn er ihn nicht versteht, darf Gott ihm das Angst machende Dunkel zumuten.

  1. Der für uns gegeißelt worden ist.

Wir sind denen verbunden, die körperliche Schmerzen erleiden, die erschöpft sind. Wie halten ihr Leid dem hin, der aus Liebe in den Schmerz gegangen ist.

  1. Der für uns mit Dornen gekrönt worden ist.

Wir denken an die seelischen Schmerzen, an alles innere Leid: an Prüfungen der Seele, an psychische Krankheiten. Wir vertrauen auch diese Nöte dem an, der unsere Schmerzen getragen hat.

  1. Der für uns das schwere Kreuz getragen hat.

Der eigene Tod ist uns gewiss. Wir können ihn schon jetzt innerlich annehmen, wann, wie und wo Gott es will. Wer „sich selber stirbt“ wird frei, sich zu schenken. Sterben lernen heißt letztlich, neu leben lernen.

  1. Der für uns gekreuzigt worden ist.

Welch Geheimnis der Liebe: Sie geht bis ins Dunkel, bis in den äußersten Schmerz. Seit Jesus bis in den Abgrund der Gottverlassenheit am Kreuz gegangen ist, wissen wir, dass es kein „gottloses“ Leid auf dieser Welt gibt. Jedes Leid kann zu einer persönlichen Begegnung mit dem werden, der aus Liebe in den Schmerz gegangen ist: „Du bist es, der mir in meinem Kreuz begegnet. Und du bist die Liebe!“

Glorreicher Rosenkranz

Im glorreichen Rosenkranz meditieren wir das Ziel und die Vollendung des Weges Jesu und seiner Mutter. An ihr sehen wir, wie Gott die Treue hält und seine Verheißungen erfüllt. Wir betrachten, was wir auch für uns erhoffen.

  1. Der von den Toten auferstanden ist.

„Wir sind vom Tod zum Leben hinübergegangen, weil wir die Brüder und Schwestern lieben (1Joh 3,14). Der treue Gott, der Jesus ein gewandeltes Leben geschenkt hat, will auch uns bereits jetzt in dieser neuen Wirklichkeit leben lassen. Wer immer neu zu lieben beginnt, erfährt die Gegenwart des Auferstandenen, wird geprägt von diesem neuen Leben.

  1. Der in den Himmel aufgefahren ist.

Wir sind unterwegs zum Himmel. Jeden Tag dürfen wir ein Stück vorangehen auf dem Weg der Liebe, in unserer Gemeinschaft mit Christus. Wer nicht vorangeht, fällt zurück. Doch dürfen wir Zuversicht haben: Jesus hat uns den Weg eröffnet.

  1. Der uns den Heiligen Geist gesandt hat.

Die Früchte des Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte ‚Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (vgl. Gal 5,19). Dafür dürfen wir danken. Der Hl. Geist bewegt uns innerlich zum Guten und hilft uns, dass unser Leben gelingen kann. Wir werden glücklich, wenn wir auf seine „Stimme“ hören.

  1. Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.

Im Blick auf Maria, unsere Schwester und Mutter im Glauben, feiern wir, was wir uns alle erhoffen: Gott wird uns am Ende unseres irdischen Lebens als ganze Menschen, mit Leib und Seele, in die ewige Gemeinschaft mit ihm aufnehmen. Wir können Maria unser tägliches Bemühen, unser Streben nach Heiligkeit, schenken.

  1. Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.

Gott hat sich klein gemacht, um den Menschen groß zu machen, ihn mit Herrlichkeit und Ehre zu krönen. Wir schauen auf Maria als Himmelskönigin und wachsen in der Zuversicht, dass auch wir in das Leben des dreieinigen Gottes aufgenommen und so verherrlicht werden.