Auf ein Wort ...

Labyrinth (c) Peter Kane, Pfarrbriefservice
Di 25. Aug 2020
Birgitta Theymann

Liebe Mitchristen,

vieles, was wir teils lange geplant hatten, vieles, was Tradition hat, wurde in den letzten Monaten im wahrsten Sinne des Wortes über den Haufen geworfen. Und des Öfteren habe ich in diesen Zeiten dann das alte Sprichwort gehört

„Der Mensch denkt und Gott lenkt“. Mit diesem Sprichwort habe ich ehrlich gesagt meine Probleme, denn so einfach ist das für mich eben nicht. Der Mensch denkt und plant, aber wenn Gott etwas nicht passt oder meint es ist Zeit, mal einzugreifen, weil wir Menschen vielleicht in seinen Augen zu übermütig sind oder was auch immer, dann geschieht etwas Unerwartetes, meist als negativ Wahrgenommenes, um die Menschen quasi wieder in die Spur zu bringen.

Ehrlich gesagt, das glaube ich nicht! Ich glaube, der Mensch denkt, weil Gott es so gewollt hat. Dies birgt für mich die Verantwortung in sich, dies, das Denken, dann auch zu tun und nicht nur andere für sich denken zu lassen. Sicherlich ist es in Zeiten der Pandemie richtig, auch auf das, was Wissenschaftler uns sagen und raten zu hören, denn sie haben ja in besonderer Weise über diese Krankheit nachgedacht bzw. sich über Jahre Wissen auf diesem Gebiete angeeignet. Aber uns bleibt es dennoch nicht erspart, diese Informationen zu reflektieren, zu bedenken und dann Entscheidungen für uns und unser Handeln zu treffen. Dabei sollten wir aber nicht nur unser eigenes Wohl im Blick haben, sondern auch das Wohl der Gemeinschaft.

Dass das Denken unser Handeln bestimmen sollte, hat Jesus uns vorgelebt und ich bin überzeugt, er erwartet es auch von uns. In einer von mir sehr geschätzten Bibelstelle im Markusevangelium wird berichtet, dass Jesus mit den Jüngern an einem Sabbat durch die Kornfelder ging. Und da die Jünger wohl Hunger hatten, rissen sie Ähren ab, obwohl dies nach jüdischem Recht am Sabbat verboten war. Die Reaktion der Pharisäer folgt auf dem Fuß, „Das ist am Sabbat verboten!“ Jesus kennt natürlich dieses Gesetz, aber er weiß eben auch, dass die Jünger in diesem Augenblick etwas zu essen brauchen. Er konfrontiert die Gelehrten mit Worten der Schrift, die ihnen natürlich bekannt sind. Er drückt mit dem Satz „Der Sabbat ist für den Menschen da, - nicht der Mensch für den Sabbat“ als Quintessenz aus, dass jedem Handeln vorheriges Denken vorausgehen sollte, man eben vieles bedenken sollte bevor man handelt oder urteilt.

„Der Mensch denkt und Gott lenkt“ kann für mich dennoch in dieser Zeit etwas ausdrücken, kann es doch als Synonym dafür stehen, dass Gott unsere Wege mitgeht und unterstützt. Gott lenkt mit, - nicht weil er das Steuer in die Hand nimmt -, sondern weil er unser Denken durch die Kraft des Heiligen Geistes unterstützt. So steht Lenken nicht für ein direktes Eingreifen Gottes in unsere Welt, sondern für ein zur Seite stehen in dieser nicht immer einfachen Zeit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie spüren, dass Gott Ihr Leben trägt und lenkt. 

Ihre Ursula Rothkranz,
Gemeindereferentin