Auf ein Wort ...

Nach Corona Aufbruch im Geist Gottes

Juli-August 2020 (c) picture alliance/die Kleinert.de/Ann Kathrin Busse
Sa 23. Mai 2020
Rita Maus

Mensch sein heißt, in Beziehungen stehen. Nur so kann ein Mensch, kann „ich“ ein wichtiger und lebendiger Bestandteil eines größeren Ganzen, einer Gemeinde, eines Chores, der Messdienerschaft, der Schützen oder anderer Gruppierungen sein, in denen ich lebe.

Was schafft eigentlich zwischen den Menschen Beziehung, was schweißt sie so fest zusammen, dass sie immer wieder, gerade auch in schwierigen Situationen, auf bestimmte persönliche Beziehungen zurückgreifen?

In der Zeit von Corona, die so ganz plötzlich und unerwartet über uns gekommen ist, in der es Besuchs- und Versammlungsverbote und klare Hygienevorschriften gibt, die die Arbeit in der Pfarrei erschwert, stellt sich uns diese Frage doch in besonderer Weise.

Fühlen wir uns nicht wie gelähmt von einem winzigen, für uns nicht greifbaren Virus, der solche Verhaltensmaßnahmen nach sich zieht, dass Gottesdienste nur noch an fünf dafür hergerichteten Kirchen unter Einhaltung der Hygienevorschriften, die das Leben in sozialen Bezügen, das Leben in den uns liebgewonnen Gemeinschaften zum Erliegen bringt?

Was hält uns, was trägt uns, wie erhalten wir diese uns stärkende menschliche und geistliche Geborgenheit und Heimat?

Heimat, das erkennen wir in diesen Tagen, kann nicht bloß äußerlich verstanden werden als Leben an einem bestimmten Ort.
Zu Hause sind wir vielmehr dort, wo wir mit Menschen verbunden sind,
die aus einer vergleichbaren Vergangenheit hervorgekommen und die ähnliche Fragen, Sorgen, Hoffnungen und Erfahrungen miteinander verbindet.

Treffen sie sich mit Menschen, die in einer Kirchengemeinde aufgewachsen sind, so werden sie eine große Menge von Berührungspunkten finden.

Da ist die Rede von feierlicher Erstkommunion und Firmung,

man spricht von den Ängsten bei der ersten Beichte,
von festlichen Gottesdiensten und Eucharistiefeiern,
von den feierlichen Gesängen, die sie begleiteten und von den Weihrauchdüften, von erlebnisreichen Ausflügen und nicht selten auch von feucht-fröhlichen Feiern und Gemeindefesten.

Es ist ein Geist, der da verbindet. Mit solchen Menschen lässt sich's leben, rasch entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Sie alle kennen das im Blick auf das Verbindende in der Pfarrgemeinde mit ihren Ortsgemeinden und Gruppen!

Klingt doch schlüssig und schön! Aber Vorsicht!
An dieser Stelle laufen wir Gefahr, alles das, was ich da als gemeinsam Erlebtes genannt habe, schon gleichzusetzen mit dem Heiligen Geist, der uns Christen und Christinnen mit der Taufe gegeben ist; und der uns bewegen soll ein Leben lang.

Etwas gemeinsam Erlebtes hat auch immer etwas Abgrenzendes, ist nicht immer offen für Andere und für Neues, und lässt keine wirklich neue Zukunft zu.

Nein, verzichten können und wollen wir nicht auf diesen gemeinsamen Schatz von Erfahrungen, der verbindet und Heimat schafft;  aber wir brauchen mehr, um Zukunft zu gestalten, die nach Corona anders aussehen wird, als wir das vor Corona so gedacht hatten.

Denken wir an dieser Stelle an die Jünger Jesu in der nachösterlichen Zeit:
Sie waren durch unglaublich intensive Erfahrungen miteinander verbunden.
Sie kamen aus der gemeinsamen jüdischen Glaubenswelt.
Sie teilten die Messias-Hoffnung und die sahen sie in Jesus erfüllt.
Sie hatten teilweise versagt, als Jesus gekreuzigt wurde, gemeinsame Schuld war ihnen nicht fremd;
Sie hatten Verzweiflung und die überwältigende Erfahrung der Auferstehung miteinander teilen gelernt.
Immer und immer wieder erzählten sie sich diese Geschichten, und hatten doch noch nicht den Mut, ihre Botschaft offen zu verkünden.
Wir wissen, dass der Geist Gottes an Pfingsten über sie kam und sie befreite von der inneren Lähmung und der äußeren Verschlossenheit und befähigte Jesus als den Gekreuzigten und Auferstandenen verkünden.

Sie hatten erkannt: Diese Botschaft gilt nicht nur für uns.
Sie ist die eine gemeinsame Hoffnung für alle Menschen.
Sie lädt alle ein, unter dem einen Herrn, in dem einen Glauben, bei dem einen Gott, dem Vater, zusammenzukommen.

Liebe, in unserer Pfarrgemeinde engagierte Schwestern und Brüder, wird es uns gelingen, so zu leben, so neu zu starten, wenn es uns wieder möglich ist, sich ungezwungen in Gemeinschaft wieder zu den Gottesdiensten in all unseren Gotteshäusern zu versammeln oder sich wieder in den unterschiedlichsten Gruppen zu treffen?

Feste Wurzeln zu haben in unseren Gemeinden und Gemeinschaften und darüber hinaus offen und einladend zu sein für die Menschen, die das (noch) nicht teilen können, aber vielleicht irgendwann einmal teilen wollen, und offen zu sein für Neues, das wünsche ich uns allen.

So wünsche ich uns allen, dass wir gestärkt aus dieser Corona-Krise hervorgehen und in unserer Pfarrgemeinde mit ihren Ortsgemeinden und Gruppierungen, in denen wir leben, im Geiste Jesu Christi kreativ Zukunft gestalten.

Danken möchte ich an dieser Stelle allen, die sich bisher bemüht haben unsere Pfarrgemeinde zusammenzuhalten und die auch unter erschwerten Bedingungen dafür gesorgt haben, dass Eucharistiefeiern stattfinden konnten.

Ihnen und Euch allen wünsche ich eine frohe und gesegnete Sommerzeit.
Denen, die ihren geplanten Urlaub antreten können, wünsche ich eine gute Auszeit, wo auch immer.

Herzlichst Ihr

Pastor Werner Rombach