So 16. Dez 2018
Boris Kassebeer

Das Sakrament der Krankensalbung ist überliefert in der apostolischen Tradition. Im Jakobusbrief lesen wir: „Ist jemand von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben (Jak 5, 14 f.).“
Der Text verknüpft mit der Spendung der Salbung zwei Komponenten: zum einen die, besonders im Alten Orient gepflegte Heilbehandlung mit Ölen, die aus der Natur, speziell der Olive, gewonnen und mit anderen Essenzen versehen werden, zum anderen die Kraft der Sündenvergebung, die der Mensch der Antike ebenfalls als Heilszusage empfand.
Das Sakrament versteht sich als Hilfe, die Situation der Krankheit oder Schwäche anzunehmen, aber auch Hoffnung  auf Heil oder wenigstens Erleichterung zu schöpfen, wie eines der Begleitgebete zur Spendung es ausdrückt.
Der rechte Zeitpunkt der Krankensalbung ist gegeben, wenn der Gläubige durch Krankheit oder Schwäche in erheblicher Weise in seiner körperlichen oder seelischen Integrität beeinträchtigt ist. Nach Möglichkeit sollten Angehörige oder ärztliches Pflegepersonal den Wunsch des/der Kranken nach dem Empfang des Sakramentes ermitteln. Sinnvollerweise sollte die Spendung erfolgen, wenn der/die Empfänger/in dies noch wahrnehmen kann. Zuzuwarten, bis ein Zustand geringfügiger Wahrnehmung eintritt, ist nicht sachgerecht, wenngleich das Sakrament auch bis in die letzte Lebensphase hinein gespendet werden kann, nicht allerdings bei schon Verstorbenen!
Auch hier gilt es das Odium der Angst oder der Beunruhigung zu überwinden, wie es durch die ehemalige Bezeichnung „Letzte Ölung“ vermittelt wurde.
Im Gegensatz zu manch überkommener Vorstellung kann das Sakrament auch mehrmals empfangen werden, etwa auch vor Unterziehung einer Operation.
Je nach Verfassung des/der Kranken kann das Sakrament in verschiedenen Formen gespendet werden. Eine sog. „Grundform“ besteht aus liturgischem Gruß; sodann schließen sich Schriftlesung, kurze Ansprache und Fürbitten an. Der „Kernritus“ besteht aus Salbung der Stirn und der Handinnenflächen mit Krankenöl und begleitendem Gebet. Das Gebet ist zweigliedrig: es beginnt mit der Anrufung göttlicher Hilfe durch die Salbung und weitergeleitet durch einen Vergebungszuspruch, um in eine ganzheitliche Heilszusage einzumünden. Das Gebet des Herrn, das Ave Maria und der Segen schließen die Spendung ab.
Erlaubt es der Zustand des Empfängers bietet sich auch in Verbindung mit der Krankensalbung die Spendung der Hl. Eucharistie in der Form der Wegzehrung an.
In jüngerer Zeit werden in den Gemeinden in regelmäßigen Abständen spezielle gemeinschaftliche Messfeiern angeboten, im Rahmen derer die Krankensalbung gespendet wird. Dies kann insofern eine sinnvolle Form des Empfangs dieses Sakramentes sein, da es in sog. „Notfällen“, d. h. in Fällen akuter Todesgefahr, zukünftig immer schwerer werden dürfte, rechtzeitig einen Priester zur Spendung zur Verfügung zu haben.