01. November 2018:

Grußwort November

Sterben geht uns alle an…

… und doch ist das Thema Tod häufig ein Tabuthema. Die stille Zeit im November mit den Festen Allerheiligen, Allerseelen und Totensonntag lädt ein, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Weil dies vielen Menschen schwerfällt, gibt es in Amerika Workshops, in denen es darum geht, eine positive Einstellung zum Tod zu bekommen. In Gesprächsrunden tauschen sich Menschen über den Tod aus. Die rationale und emotionale Auseinandersetzung kann helfen sich dem Thema Tod ein Stück positiver anzunähern. Damit meine ich, den Tod als gegeben und unausweichlich zu sehen – mit allem Schmerz und Trauer. Verharmlosung und sogar Verdrängung sind schlechte Ratgeber. Vielmehr geht es in der Auseinandersetzung darum, berührt zu werden. Der Tod trifft mich in voller Härte, wenn ich eine persönliche Beziehung zu dem Verstorbenen hatte. Dieser geliebte Mensch ist nicht mehr da. Ich sehe ihn nicht mehr, kann mich nie mehr mit ihm unterhalten. Ich fange an über den eigenen Tod nachzudenken. Ein Patient sagte mir, dass für ihn nach dem Tod "alles aus" sei. Ein anderer meinte, dass er nach dem Tod ins Bodenlose fallen wird und fragt, wie ich den Tod als Krankenhausseelsorgerin sehe.

Ich, als Christin, - so meine Antwort, fühle mich jetzt mitten im Leben von Gott getragen. Warum soll das vor, während und nach dem Tod anders sein? Ich glaube, dass Gott mich gerade in Ungewissheit, im Leid, in Trauer und ja auch in der Situation des Sterbens trägt. Bei all meiner Sicherheit des Getragen-seins ist der Tod für mich nach wie vor unfassbar und unplanbar. Aber genau das lässt mich sehen, wie kostbar mein Leben ist!

Die Theologin und Autorin Melanie Wolf bringt es auf den Punkt:  "Der Sinn deines Lebens ist dein Leben. Verplempere es nicht. Eigne es dir an!" (so in ihrem Buch Trau dich, es ist dein Leben. Die Kunst mutig zu sein, bene!-Verlag).

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine fruchtbare, stille Zeit. Ergreifen wir die Chance, angestoßen durch die kommenden Feiertage, uns im Leben vom Tod berühren zu lassen!

Monika Fernandes, Krankenhausseelsorgerin

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